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CityPortraits Blog

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Anatol Dündar – Manager im Spielecafé The Uncommons

Früher war Anatol Dündar als Bauingenieur tätig. 2015 zog er mit seiner Frau nach New York. Hier war er zunächst ein stay-at-home daddy. Inzwischen arbeitet er wieder – jedoch in einer ganz anderen Branche als zuvor: Er leitet die Paulchenbande von CityKinder in der St. Pauls Church und ist Manager im ersten Spielecafé in Manhattan.

Lieber Anatol, was hat dich nach New York verschlagen?

Meine Frau hat ein gutes Angebot von der Weill Cornell University bekommen und nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu entschieden, dass sie das Angebot annehmen sollte, und so sind wir 2015 nach New York gezogen. Wir waren uns sicher, dass es ein Abenteuer wird. Aber uns war auch klar: Wenn wir das jetzt nicht machen, dann machen wir es nie mehr.

Als ihr nach New York gezogen seid, musstest du deinen Job als Bauingenieur aufgeben. Was wolltest du ursprünglich in New York machen?

Ursprünglich wollte ich weiter als Bauingenieur arbeiten, schließlich hört man ja immer wieder, wie gefragt deutsche Ingenieure in den USA sind. Dann kam es aber doch anders. Denn nachdem wir uns für den Auslandsumzug entschieden hatten, wurde meine Frau schwanger. Deshalb haben wir dann ausgemacht, dass ich zunächst zu Hause bleiben und nicht direkt nach einer Stelle suchen würde.

In der Regel sind es die Frauen, die ihre Männer auf einen Auslandsaufenthalt begleiten. Bei euch war es anders herum. War es für dich ein komisches Gefühl, einer der wenigen Männer zu sein, die ihre Frau ins Ausland begleiten? Wie hat dein Umfeld reagiert?

Das Umfeld hat ausnahmslos positiv reagiert, was aber natürlich auch damit zu tun hatte, dass ich mich hauptsächlich mit anderen Müttern getroffen habe. Bei „Männergesprächen“ war es schon hin und wieder etwas komisch, dass ich nicht so wirklich über meinen Job reden konnte. Über „Babythemen“ wie Schlafrhythmus oder die Farbe von „baby poo“ wollten – oder konnten – sich die meisten anderen Männer wiederum nicht unterhalten.

Mittlerweile arbeitest du als Manager in einem Spielecafé, einem Café also, das Besuchern zahlreiche Spiele zur Verfügung stellt, die sie während ihres Aufenthalts ausprobieren, spielen und auch kaufen können. Wie kam es dazu?

Die Leidenschaft für Spiele begleitet mich schon seit den frühen 90er Jahren. Seit 1999 war ich regelmäßig auf Spielemessen und ab 2005 habe ich dort dann auch für Verlage gearbeitet und den Messebesuchern Spiele erklärt. Nebenbei habe ich natürlich auch selbst viel über Spiele gelernt und meine Sammlung vergrößert. Von dem Spielecafé „The Uncommons“ habe ich noch vor unserem Umzug von einem Freund erfahren. Zunächst wollte ich dort nur selbst Spiele spielen, aber dann habe ich den Besitzer kennengelernt und ihm vorgeschlagen, dass ich ihm ein paar seltene deutsche Spiele besorgen könnte. Er war begeistert, wir freundeten uns an und schon bald hatte ich einen Job im Café.

Welche Aufgaben hast du als Manager von „The Uncommons“?

Ich führe viele Verkaufsgespräche und gebe Empfehlungen, wenn Gäste auf der Suche nach einem geeigneten Spiel sind. Zudem bestelle ich regelmäßig Spiele nach und halte mich up-to-date – sowohl bezüglich neuer Spiele als auch Spiele, die bald nicht mehr produziert werden. Der überwiegende Teil meiner Arbeit besteht aber aus typischer Gastronomie-Arbeit, also Lieferungen nachbestellen, neue Speisen und Getränke testen, kleine Reparaturen erledigen, Gäste bedienen, Baristas einstellen und anlernen, das Café sauber machen und, und, und. Es ist manchmal unbeschreiblich, was so ein kleiner Betrieb an Arbeit erfordert.

Im September letzten Jahres habt ihr ein zweites Café – das „Hex & Co“ auf der Upper West Side – eröffnet. Warum ist das Konzept „Spielcafé“ in New York deiner Meinung nach so erfolgreich?

Brettspielen ist etwas typisch deutsches. Kein anderes Land hat so erfolgreiche Spieleautoren und Spieleverlage wie Deutschland. In den meisten anderen Ländern ist Brettspielen etwas Außergewöhnliches. Man spielt anderswo zwar auch, aber eher als kleines Kind und später dann nur die Klassiker. Anders als in Deutschland hat kaum einer Spiele zu Hause. Hinzu kommt, dass speziell in Manhatten die Wohnungen oft sehr klein sind und die meisten nicht mal einen großen Tisch haben, an dem sie ein Brettspiel spielen könnten. Zudem ist es eher unüblich, andere Leute zu sich einzuladen. Mit unseren Spielecafés haben wir also ein Angebot geschaffen, das eine hohe Nachfrage hat, die aber nirgendwo sonst bedient wird.

Neben deiner Tätigkeit im Süielecafé leitest du auch noch die Paulchenbande in Manhattan. Was erwartet Kinder (und Eltern) dort?

Die Paulchenbande ist eine deutsche Sing- und Tanzgruppe für Kinder von sechs Monaten bis 2,5 Jahren. Gemeinsam singen wir klassische und auch neue deutsche Kinderlieder, immer begleitet mit Instrumenten. Oft ist auch Bewegung oder Tanz dabei, damit den Kindern nicht langweilig wird. Wir schneiden das Programm dem Alter entsprechend zu und natürlich findet sich auch genug Zeit andere Themen rund um Kind und Erziehung zu diskutieren und die Kinder spielen zu lassen.

Was war für dich bisher die größte Herausforderung hier in New York?

Das Chaos und die Preise zu akzeptieren.

Welchen Tipp hast du für Neuankömmlinge – insbesondere für solche, die mit kleinen Kindern nach New York kommen?

Plant immer ein bisschen mehr Zeit ein. Bleibt cool, wenn etwas nicht klappt oder mal wieder kaputt ist, man kann es eh nicht ändern. Und: ein kleiner, leichter Kinderwagen, den man notfalls auch alleine hochheben kann, ist goldwert!

Zu guter Letzt: Kannst du ein paar Tipps geben, welche neuen Spiele man unbedingt mal ausprobieren sollte – als Kind, aber auch als Erwachsener?

 Puh… eine pauschale Antwort ist schwierig, da es einfach zu viele unterschiedliche Faktoren gibt, die relevant sind. Aber tatsächlich sticht ein Spiel derzeit heraus: „Magic Maze“ ist ein neues Familienspiel für bis zu acht Spieler. Dabei muss man auf ungewöhnliche Art zusammenarbeiten und kann den Schwierigkeitsgrad sehr variabel wählen, sodass es in meinen Augen schon für Kinder ab etwa sechs Jahren geeignet ist, aber auch Erwachsenen sehr viel Spaß macht.

Lieber Anatol, vielen Dank für das spannende Interview!

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