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Björn Technau – Associate Director KinderHaus Brooklyn

Björn Technau ist buchstäblich auf der ganzen Welt zu Hause. Aufgewachsen ist er im beschaulichen Mainz, während des Studiums zog es ihn dann immer wieder in die Ferne. Diverse Praktika und Studienaufenthalte absolvierte er in Indien, Ägypten, Südafrika und Italien, zwischendurch hütete er Schafe in der kanadischen Wildnis.

Beruflich ging es für Björn zunächst bei den Kindernachrichten „logo!“ im ZDF los, wo er die jungen Zuschauer beriet und als Ablaufredakteur die Live-Sendung begleitete. Nach seinem Doppelstudium (Staatsexamen Lehramt in Deutsch und Englisch sowie Magisterabschluss in Philosophie und Filmwissenschaften) zog es ihn zum ersten Mal nach New York. Hier war er über drei Jahre als Experte für Unterricht am Goethe-Institut in Manhattan tätig und knüpfte zahlreiche Kontakte zu Lehrern und Schulleitern in New York und Umgebung. Mitunter lernte Björn so auch das KinderHaus Brooklyn und die Gründerin Simona D’Souza kennen. Schon damals konnten sich Björn und Simona gut vorstellen zusammenzuarbeiten. Bevor es jedoch soweit war, zog es Björn erneut hinaus in die Welt, nämlich nach China, wo er an der Nanjing University als DAAD-Lektor arbeitete.

Im Sommer 2016 übernahm Björn dann die Rolle des Associate Director beim KinderHaus und zog zum zweiten Mal nach New York, diesmal ins schöne Bay Ridge in Brooklyn. Als Associate Director ist Björn unter anderem für die Personalführung zuständig, er wählt neue Lehrer aus, unterstützt sie in ihrer Arbeit durch Klassenbesuche, Staff Meetings und Fortbildungsangebote, er bietet Schulführungen an, ist für das Marketing zuständig und hat den Gesamtüberblick über Lehrpläne, Einschreibungen und die Kommunikation nach außen.

Lieber Björn, was hat dich daran gereizt, nach New York zurückzukehren und für das KinderHaus zu arbeiten?

Dieser Schritt hat mich aus mehreren Gründen gereizt. Zum Einen hatte ich in meiner Zeit am Goethe-Institut tolle Erfahrungen in New York gesammelt und deshalb große Lust, in diese faszinierende Stadt zurückzukehren, in der ich Freundschaften geknüpft und Netzwerke aufgebaut hatte. Zum Anderen hatte ich als Linguist großes Interesse an den Themenbereichen kindlicher Spracherwerb und Bilingualität, weshalb das KinderHaus als deutsche Immersionsschule in den USA ein besonders attraktiver Einsatzort für mich war. Und nicht zuletzt kannte ich ja bereits Simona und einige der Lehrerinnen und wusste deshalb, dass ich mich im KinderHaus-Team pudelwohl fühlen würde.

Das KinderHaus folgt dem Immersionskonzept für Deutsch. Was genau kann man darunter verstehen?

Bei dem Konzept der sprachlichen Immersion, legt man sich als Schule auf eine Sprache fest, die von allen Lehrern gesprochen und mit den Kindern ausschließlich benutzt wird. Im KinderHaus ist diese Sprache Deutsch. Und um den Kindern die Sprache bestmöglich und in einer natürlichen und vertrauten Umgebung nahezubringen, sind die Lehrer und Erzieher deutsche Muttersprachler.

Welchen kulturellen Hintergrund haben die Kinder, die das KinderHaus besuchen? Aus welchem Einzugsgebiet kommen die meisten Familien?

Der kulturelle Hintergrund der Kinder ist ganz unterschiedlich. Einige Kinder haben zwei deutschsprachige Eltern, in anderen Familien spricht nur ein Elternteil Deutsch oder ist anderweitig mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut. Wie viel Kontakt die Kinder mit der deutschen Sprache vor dem Beginn im KinderHaus hatten, ist somit sehr unterschiedlich. Doch durch einen kontinuierlichen Gebrauch des Deutschen, bauen die Kinder ein positives Verhältnis zur Sprache auf, während sie Freundschaften knüpfen und Erfahrungen sammeln. Was das Einzugsgebiet betrifft, wohnen die meisten Kinder rund um Park Slope in Brooklyn. Es gibt aber auch einige Eltern, die den Weg aus Manhattan auf sich nehmen, damit ihr Kind ins KinderHaus gehen kann.

Leidet das Englisch der Kinder nicht darunter, wenn im KinderHaus ausschließlich Deutsch gesprochen wird?

Nein, solche Bedenken sind in diesem jungen Alter vollkommen unbegründet. In einer englischsprachigen Umgebung wie New York kommt die englische Sprache ganz von selbst und ist häufig sogar schnell die dominante Kommunikationssprache, sobald die Kinder vermehrt Kontakte knüpfen. Vielmehr ist es so, dass die Kinder von ihren deutschen Sprachkenntnissen kontinuierlich Gebrauch machen müssen, um das muttersprachliche Niveau zu erreichen und dieses vor allem auch beizubehalten. Das gilt insbesondere dann, wenn in der Familie hauptsächlich Englisch oder eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird.

Kann es passieren, dass man die Kinder durch den Gebrauch von mehreren Sprachen im Alltag überfordert?

Solche Bedenken sind ebenfalls unbegründet. In jeder Gruppe im KinderHaus gibt es auch Kinder, die mehrsprachig aufwachsen mit drei oder noch mehr Sprachen. Dabei kann man beobachten, wie es in der Kommunikation der Kinder immer mal wieder zum sogenannten Code Mixing kommt, also zum Vermischen verschiedener Sprachen. Das ist allerdings kein Grund zur Sorge und Teil der natürlichen bilingualen Sprachentwicklung. Nach und nach lernen die Kinder die unterschiedlichen Sprachen auseinanderzuhalten und es ist wissenschaftlich belegt, dass sie gegenüber einsprachigen Kindern eine ganze Reihe von Vorteilen haben, die über die reine Sprachentwicklung hinausgehen, etwa im Bereich der sozial-emotionalen und kognitiven Entwicklung.

Gibt es eine bestimmte Philosophie, auf der das Lernmodell des KinderHauses basiert?

Ja, die Philosophie des KinderHauses basiert auf einem Bild vom Kind, das sich aktiv mit seiner Umwelt auseinandersetzt und durch die sozialen Interaktionen in einer Gruppe etwas über sich selbst und die Welt erfährt. Was den pädagogischen Ansatz angeht, ist dieser mit dem englischen Konzept „inquiry-based“ am besten zu beschreiben. Denn die Lehrer im KinderHaus entwickeln offene Lernangebote, die die Kinder dazu anregen, eigene Fragen zu stellen und diese zu erforschen. So arbeiten die Lehrer im KinderHaus mit den Kindern gemeinsam an den Projekten, das nennt man dann „project-based“.

Was genau versteht man unter „project-based“?

„Project-based“ ist eine Lehr-Lernmethode und bedeutet, dass jede Gruppe an Projekten arbeitet, welche aus den Interessen der Kindern hervorgegangen sind. Ein solches Projekt hat dann für die Kinder natürlich eine ganz besondere Bedeutung und gibt ihnen die Möglichkeit, sich mit einem Thema ausführlicher, manchmal über mehrere Wochen, auseinanderzusetzen. Wichtig ist uns dabei, dass die Lernangebote in den Projekten immer mehrere Kompetenzbereiche gleichzeitig abdecken, sodass etwa das mathematische Denken und die kreative Gestaltung gleichzeitig gefördert werden.

Zudem sind die Aktivitäten in den Projekten immer anschaulich und abwechslungsreich gestaltet, sodass die Kinder ganzheitliche Erfahrungen machen können. Beim Thema „Elemente und Feuer“ haben die Kinder zum Beispiel eine Feuerwache besucht und zum Projekt „Brücken“ wurden Ausflüge organisiert und die Entstehung der Brooklyn Bridge besprochen. Andere Projekte entstehen überhaupt erst durch die Impulse der Kinder. Wenn eines der Kinder beispielsweise ein Geschwisterchen bekommt, können wir das Thema in unseren Lehrplan einbinden.

Insgesamt lassen wir uns also stets von den Interessen und Impulsen der Kinder leiten und planen mit ihnen zusammen längerfristige Projekte. Die Gruppen müssen sich also nicht strikt nach dem Zeitplan richten, sondern können flexibel auf die Wünsche und Fragen der Kinder eingehen und in diesem Rahmen Lernaktivitäten planen, bei denen die Kinder mit allen Sinnen aktiv werden

In New York ist der schulische Leistungsdruck sehr hoch. Das geht mitunter schon bei den ganz Kleinen los. Viele Eltern befinden sich in einem Zwiespalt: Einerseits wollen sie, dass ihr Kind mit den anderen mithalten kann, andererseits haben sie Angst, es zu überfordern. Wie sieht das KinderHaus den stets zunehmenden Leistungsdruck, der oft schon bei den ganz Kleinen beginnt?

Uns ist es vor allem wichtig, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Kinder angenommen und wohl fühlen. Das Lernen und Spielen gehen dabei Hand in Hand, und wir hoffen, dass diese Einstellung auch den Familien hilft, die sich dem Leistungsdruck in der Stadt ausgesetzt fühlen. Es ist bewiesen und in der jahrelangen Erfahrung der Erzieher bestätigt sich, dass Kinder bestens auf die Schule vorbereitet werden, wenn diese in den ersten Lebensjahren ein stimulierendes Umfeld erleben, in dem sie in ihren Entwicklungsschritten professionell gefördert werden. Genau das bieten wir im KinderHaus Brooklyn.

Zu guter Letzt noch eine persönliche Frage: Du hast schon in so vielen verschiedenen Städten und Ländern gelebt – fällt dir etwas ein, dass es nur in New York gibt?

Das Tolle an New York ist, dass hier so viele Dinge zusammenkommen, die ich an anderen Orten dieser Welt lieben gelernt habe. Egal, ob es sich um italienisches Essen, die arabische Sprache oder indische Feste handelt – all das lässt sich in New York genießen. Und glücklicherweise gehöre ich auch nicht zu den Deutschen, die sich kein Leben ohne deutsches Brot vorstellen können (und selbst das würde sich in dieser Stadt wohl irgendwo auftreiben lassen).

Lieber Björn, vielen Dank für das Gespräch!

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