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Christine Krabs | Gründerin und Leiterin von „Wortspiele“

Christine Krabs

Christine Krabs ist der Überzeugung, dass für die Sprachentwicklung bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern ab einem gewissen Alter nicht mehr die Eltern der entscheidende Einflussfaktor sind, sondern andere Kinder. Deshalb hat die diplomierte Sozialpädagogin 2004 „Wortspiele“ gegründet, den ersten deutschsprachigen Kindergarten in New York City. Die in Brooklyn gelegene Preschool richtet sich an Kinder zwischen zwei und sechs Jahren und verfolgt die Montessori-Pädagogik, bei der die Aufforderung „Hilf mir, es selbst zu tun“ im Vordergrund steht.

In New York seit: 1999
Viertel: Brooklyn
Anzahl der Kinder? Zwei, ein Mädchen und ein Junge
Beruf(ung): Gründerin und Leiterin eines Kindergartens
Mein Business: Wortspiele
Website: www.wortspielebrooklyn.com

Liebe Christine, du bist Gründerin und Leiterin eines deutschsprachigen Kindergartens in Brooklyn und hast zwei Kinder, die mehrsprachig aufwachsen. Wie wichtig ist es deiner Meinung nach für die Sprachentwicklung, dass Kinder auch außerhalb ihres Elternhauses mit ihrer zweiten Muttersprachen konfrontiert werden und diese aktiv sprechen?

Ich glaube, dass das ein ganz wesentlicher Aspekt ist. Ich habe zwar von Anfang an mit meiner Tochter und später auch mit meinem Sohn Deutsch gesprochen. Wirklich Gedanken habe ich mir über die Sprachentwicklung aber erst gemacht, als es darum ging, meine Tochter in die Daycare zu geben. Ich hatte immer so ein Gefühl, dass ab einem gewissen Alter, etwa mit eineinhalb bis zwei Jahren – also dann, wenn die Sprachentwicklung bei den meisten Kindern schlagartig große Sprünge macht – nicht mehr die Eltern der Haupteinflussfaktor sind, sondern die anderen Kinder aus dem Umfeld. Dieses Gefühl haben mir auch Mütter aus meinem Freundeskreis bestätigt, die es zunehmend schwieriger fanden, ihren Kindern die eigene Muttersprache zu vermitteln, je älter die Kinder wurden und je mehr Kontakt sie zu anderssprachigen Kindern hatten.

Was hast du vor der Gründung von „Wortspiele“ gemacht? Welche Ausbildung hast du und wie bist du zur Preschool-Pädagogik gekommen?

Ich bin diplomierte staatlich anerkannte Sozialpädagogin und habe in Deutschland und Europa viele Jahre mit Jugendlichen und älteren Kindern gearbeitet. Als ich nach New York kam, wollte ich zwar weiter im sozialen Bereich arbeiten, aber nicht mehr mit Jugendlichen, denn ich hatte das Gefühl, dass mir für diese Tätigkeit der sprachliche, soziale und kulturelle Hintergrund fehlte. Schließlich habe ich als Assistenz-Lehrerin bei einer Montessori-Preschool gearbeitet und war begeistert – sowohl von der Arbeit, als auch von der Montessori-Pädagogik. Deshalb habe ich schließlich selbst eine Montessori-Ausbildung absolviert.

Wie ist die Idee entstanden, einen eigenen, deutschsprachigen Kindergarten zu gründen?

Als meine Tochter 2002 auf die Welt kam und ein Jahr darauf mein Sohn, war mir sehr schnell klar, dass ich vorerst nicht zu einer Vollzeitstelle zurückkehren wollte. Es war für mich schlicht undenkbar, meine Zeit zwar jeden Tag von morgens bis abends mit Kindern zu verbringen, aber nicht mit meinen eigenen. Zudem war mir zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass es schwierig sein würde, Deutsch als zweite Muttersprache bei meinen Kindern aufrecht erhalten zu können. Denn wer würde Deutsch mit ihnen sprechen, wenn nicht ich? Den tatsächlichen Anstoß zur Gründung von „Wortspiele“ haben dann aber letztlich andere, befreundete Mütter gegeben, die in einer ähnlichen Situation waren wie ich und Wert darauf legten, dass ihre Kinder Deutsch auf Muttersprach-Niveau lernten. Damals gab es noch keinen deutschsprachigen Kindergarten in New York, und so ermutigten sie mich dazu, eine eigene Klasse zu gründen. Ich startete schließlich mit einer Handvoll Kinder im Vorschulalter und unterrichtete sie im Kinderzimmer meiner Tochter.

Wie hat sich „Wortspiele“ seither entwickelt und was zeichnet den Kindergarten aus?

Aktuell haben wir rund 30 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren in unserem Programm, wobei etwa 18 Kinder pro Tag anwesend sind. Alle Fächer werden auf Deutsch durchgeführt und von Muttersprachlern unterrichtet. Zentral ist dabei das Montessori-Konzept, also die Idee, dass man Vertrauen in das Potenzial der Kinder und in ihre Lernfähigkeit und Lernbereitschaft hat. Gut auf den Punkt gebracht, wird dieses Konzept in dem Satz „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Es geht schlicht darum, den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu organisieren und zu strukturieren, und ihnen den erforderlichen Freiraum zu geben, damit sie sich frei entfalten können. Statt die Kinder mit Informationen zu füttern, geben wir ihnen den Schlüssel, um sich Wissen durch eigene Erfahrungen selbstständig aneignen zu können.

„Wortspiele“ richtet sich an Kinder im Preschool-Alter. Wie geht es für die Kinder anschließend weiter?

Nach der Gründung von „Wortspiele“ im Jahr 2004 haben wir jahrelang ein Nachmittagsprogramm angeboten, das sich an ältere Kinder richtete, die vormittags in englisch-sprachigen Schulen waren und anschließend wieder zu uns kamen. Wir haben ihnen dann Lesen und Schreiben auf Deutsch beigebracht. Inzwischen gehen die allermeisten Kinder im Anschluss an „Wortspiele“ auf die German School Brooklyn (GSB). Die Schule wurde 2014 von Kathrin Nagle gegründet. Ich selbst bin im Vorstand der Schule und habe von Anfang an bei ihrem Aufbau geholfen. Die GSB war und ist mir ein riesiges Anliegen, denn für die weitere Sprachentwicklung der Kinder ist der kontinuierliche Deutschunterricht meines Erachtens extrem wichtig: Nur wenn die Kinder wirklich gefestigt in ihrer zweiten Muttersprache sind, wenn sie also gut schreiben und altersgemäße Literatur lesen können, dann sind die Voraussetzungen gegeben, dass die Sprache auch im Erwachsenenalter beibehalten wird.

In den USA sind die Aufnahmebedingungen für manche Schulen, insbesondere für bestimmte Privatschulen sehr hoch. Viele Eltern legen daher schon sehr früh viel wert auf eine ausgezeichnete Ausbildung und Förderung der Kinder. Hast du das Gefühl, dass amerikanische Eltern ehrgeiziger sind als deutsche Eltern?

Grundsätzlich glaube ich schon, dass es im Vergleich zu Deutschland in den USA landesweite, kulturelle Unterschiede gibt, was die Förderung von Kindern und Kleinkindern betrifft. New York City ist aber ein ganz besonderes – sehr hartes – Pflaster, das mit dem Rest des Landes nur bedingt vergleichbar ist. In New York gibt es einige der besten Privatschulen des Landes. Gleichzeitig ist das Gefälle bei den Public Schools äußerst hoch. Und auch die Konkurrenz ist riesig. Das Wissen, dass sich das Kind gegen unzählige andere Kinder durchsetzen muss, erzeugt einen enormen Druck auf die Familien, und dieser Druck wird dann häufig bis zu einem gewissen Grad an die Kinder weitergegeben. Gerade wenn ein Elternteil oder sogar beide Elternteile einen anderen kulturellen Hintergrund haben, kann der Druck besonders hoch sein. Denn diese Eltern können nicht so gut abschätzen, was tatsächlich notwendig ist, damit ihr Kind nicht benachteiligt wird und einen guten Start ins Leben hat. Der unterschiedliche Erfahrungshintergrund kann allerdings auch Vorteile haben. Dann nämlich, wenn es Eltern schaffen, entspannter mit den vermeintlichen Anforderungen umzugehen und sich daran zu erinnern, dass sie selbst als Kind weniger Druck hatten und aus ihnen trotzdem etwas geworden ist, sie trotzdem erfolgreich sind.

Wo würdest du „Wortspiele“ mit Blick auf die Pole von Entspanntheit und Druck einordnen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ein exzellentes Programm anbieten, das die Kinder ideal auf die Schule vorbereitet. Ich glaube aber, dass man mit Druck nichts erreicht und dass dieser sogar negative Folgen hat, an denen die Kinder lange zu knabbern haben. Man muss nicht im Kindergartenalter schon das ABC lernen und erste Rechenaufgaben lösen. Mit „Wortspiele“ wollen wir bewusst eine Gegenstimme zu der Akademisierung der Preschool sein. Die Art, wie in der Vorschule unterrichtet wird, ist anders als in der Grundschule und muss auch anders sein, da die Kinder ganz andere Bedürfnisse haben.

Seitdem du nach New York gezogen bist, hast du in Brooklyn gelebt. Was gefällt dir so gut an dem Stadtteil?

An Brooklyn gefällt mir, dass es nicht Manhattan ist, aber nur ein paar U-Bahn-Stationen beziehungsweise eine Brücke entfernt ist. Vor allem als ich hergezogen bin, war Brooklyn noch wesentlich entspannter als das laute und überfüllte Manhattan. Zwar findet seit einigen Jahren auch hier ein starker Wandel statt. Noch habe ich aber das Gefühl, dass man in Brooklyn näher dran ist am ursprünglichen New York und an dem Mythos des Melting Pots: an der Internationalität und Diversität, an dem Mix unterschiedlicher Einflüsse und Kulturen, den New York und letztlich ganz Amerika ausmachen.

Gibt es auch etwas, das du an deiner alten Heimat, an Norddeutschland, vermisst?

Natürlich vermisse ich meine Herkunftsfamilie und meine ältesten Freunde sehr. Ich hätte gerne meinen Neffen näher aufwachsen gesehen und natürlich hätte ich es schön gefunden, wenn meine Eltern mehr von meinen Kindern mitbekommen hätten. Außerdem fehlt es mir manchmal, Leute Platt sprechen zu hören. Meine Großmutter konnte noch Platt sprechen. Für mich sind da sehr schöne Kindheitserinnerungen mit verbunden. Und auch die hellen Sommernächte, in denen es erst spät abends dunkel wird, und das nordische Klima fehlen mir an den schwülen Sommertagen in New York schon sehr. Ansonsten gibt es nicht viel, was ich vermisse. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich in der glücklichen Position bin, viele Elemente der deutschen Kultur und meiner deutschen Kindheit in meinen Kindergarten integrieren zu können. Ich habe also eigentlich immer sehr viel Deutschland um mich herum.

Liebe Christine, herzlichen Dank für das spannende Gespräch

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