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CityPortraits Blog

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Karin Mueller-Paris | Vermögensverwalterin

Karin Mueller-Paris

Vor über 18 Jahren zog Karin Mueller-Paris vom Unterallgäu nach New York. Zunächst arbeitete sie in der Vermögensverwaltung der HypoVereinsbank. Im Jahr 2008 wagte sie dann den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete mit einem früheren Kollegen die F&V Capital Management. Heute betreut Karin die US-Portfolios von rund 60 vermögenden Privatkunden und Familien.

Im Interview mit CityKinder erzählt Karin, warum ihr die amerikanischen Arbeitsverhältnisse in vielerlei Hinsicht besser gefallen als die deutschen, was es braucht, um sich in New York erfolgreich selbstständig zu machen, und wie man es schafft, Kind und Karriere auch in herausfordernden Zeiten unter einen Hut zu bringen.

In New York seit: 1998
Anzahl der Kinder? Wann sind die geboren? Eine Tochter, geboren 2005
Beruf(ung): Vermögensverwaltung
Mein Business: F&V Capital Management
Website: http://www.fvcapital.us

Liebe Karin, was hat dich nach Amerika geführt?

In Deutschland habe ich eine Banklehre bei der HypoVereinsbank (HVB) gemacht. Im Anschluss daran bin ich schnell innerhalb des Unternehmens aufgestiegen und habe schließlich in mehreren Filialen die Vermögensanlage geleitet und ein spezielles Führungskräfte-Training erhalten. Dort kam jemand auf mich zu und fragte, ob ich mich nicht auf eine bestimmte Stelle in den USA bewerben wolle. Ich bekam die Stelle und zog vom Unterallgäu nach New York – eine ganz schöne Veränderung. Zunächst wollte ich nur für einige Jahre bleiben, um zu schauen, wie die Vermögensverwaltung in den USA abläuft. Aber dann habe ich meinen Aufenthalt immer wieder verlängert. Mir haben New York, der Job und das Team einfach so gut gefallen und die Karrierechancen waren in den USA um ein Vielfaches besser. Zum Schluss war ich Präsidentin von HVB Capital Management, LLC, einer Tochtergesellschaft der HVB und ich hielt die Green Card in der Hand. Inzwischen lebe ich seit über 18 Jahren in Amerika.

Im Jahr 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hast du dich mit einer eigenen Vermögensverwaltung für gehobene Privatanleger selbstständig gemacht. Der Anfang war sicherlich nicht ganz leicht…

Das ist richtig. Gemeinsam mit einem ehemaligen Kollegen habe ich mein Business im März 2008 gestartet – also mitten im totalen Chaos der Finanzkrise. Gerade die Anfangszeit war daher mit Unsicherheiten verbunden und wir mussten viele Nachtschichten einlegen. Zum Glück durften wir einige unserer früheren Kunden von der HVB mitnehmen. Und weil wir für diese einen guten Job machten und eine gute Performance erzielten, empfahlen sie uns weiter, sodass wir stetig wuchsen. Inzwischen sind wir ein fünf-köpfiges Team und verwalten die US-Portfolios für rund 60 wohlhabende Privatkunden beziehungsweise Familien und für einige Family Offices; vom kleinsten Depot mit 500.000 US-Dollar bis hin zu demjenigen vom Großkunden mit 30 Millionen.

Im Vergleich zu Deutschland sind die Arbeitsbedingungen in den USA in vielerlei Hinsicht deutlich schlechter, etwa was Urlaubstage oder Kündigungsschutz angeht. Gab es Zeiten, in denen du die deutschen Verhältnisse vermisst hast?

Nein, die gab es ehrlich gesagt nie. Auch nicht, als ich selbst noch Angestellte war. In Amerika sind die Leute in meinem Bereich oft viel besser qualifiziert – vor allem vor 20 Jahren war der Unterschied recht groß. Zudem habe ich das Gefühl, dass die Leistungsbereitschaft in meinem Berufsfeld hier oft höher ist. Hier weiß jeder: Wenn du nicht die Leistung erbringst, die von dir erwartet wird, dann bist du sofort ersetzbar. Denn da draußen gibt es 500 andere, die deinen Job liebend gerne schon morgen übernehmen würden. Für einige mag das nach Stress und hohem Druck klingen. In meinen Augen macht es das Ganze so interessant. Die Motivation im gesamten Team ist höher und als Vorgesetzter ist es einfacher, wenn du weißt, dass deine Mitarbeiter und Kollegen ihren Job gut machen werden und du das bekommst, was du erwartest.

Hast du das Gefühl, dass es in den USA einfacher ist, sich selbstständig zu machen?

Auf jeden Fall. Zum einen ist der Weg in die Selbstständigkeit in Deutschland mit einem unglaublichen bürokratischen Aufwand verbunden. Zum anderen hat man in Deutschland weniger das Bedürfnis, sich selbstständig zu machen. Zumindest wäre das bei mir so gewesen. Da wäre ich vielleicht noch einmal zu einer anderen Bank gewechselt, hätte eine lange Elternzeit genommen, wäre danach in Teilzeit gegangen und hätte ein nettes Gehalt, geregelte Arbeitszeiten und vergleichsweise viel Urlaub gehabt. In Amerika hatte ich diese Möglichkeiten nicht. Es gab also keinen Grund, es nicht mit der Selbstständigkeit zu versuchen. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Denn ein eigenes Business zu gründen, hat unschätzbare Vorteile. Erstens kann ich mir meine Arbeits- und Freizeit besser auf- und einteilen und dadurch als Mutter viel besser für meine Tochter da sein. Zweitens gilt hier die Devise „I eat what I hunt.“ Also: Je besser ich meinen Job mache, desto mehr zufriedene Kunden habe ich und desto mehr profitiere ich finanziell davon. Mit Gemütlichkeit hat das nichts zu tun. Aber wenn du gut bist, dann macht genau das wirklich Spaß.

Im Jahr 2005 ist deine Tochter Alicia auf die Welt gekommen. Wie schwierig ist es für dich, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen?

Gerade am Anfang war das nicht immer leicht. In den USA gibt es ja keine lange Elternzeit. Da muss man oft nach wenigen Wochen wieder bei dem Arbeitgeber auf der Matte stehen; zu kündigen ist in der Regel die einzige Alternative. Da mein Arbeitgeber mich unbedingt halten wollte, hatte ich das Glück, anfangs Teilzeit arbeiten zu können. Trotzdem befand ich mich ständig in diesem Zwiespalt, dass ich einerseits arbeiten wollte und musste, und andererseits viel lieber Zuhause geblieben wäre. Zum Glück hatte ich auch die Möglichkeit, viel im Home Office zu arbeiten. Ich habe mir also einen perfekten Arbeitsplatz Zuhause eingerichtet und mir außerdem die Unterstützung einer großartigen Nanny geholt. So konnte ich über den ganzen Tag verteilt und bis in den Abend hinein immer mal wieder ein paar Stunden arbeiten, aber auch mit meiner Tochter Zeit verbringen. Für mich hat das sehr gut funktioniert.

Wie viele Sprachen spricht deine Tochter und was tust du, um ihre Sprachentwicklung zu fördern?

Alicia spricht fließend Englisch, Deutsch und Französisch. Zudem hatte sie drei Jahre Mandarin als Pflichtfach an ihrer Schule. Weil sie auf eine französische Schule geht, ist ihre Erstsprache Französisch und ihre Zweitsprache Englisch. Mir war wichtig, dass sie erst einmal diese beiden Sprachen fließend in Wort und Schrift beherrscht. Daher habe ich das Deutsche eine Zeit lang vernachlässigt und mit ihr zwar deutsch gesprochen, aber nicht lesen oder schreiben geübt. Gerade wenn die Kinder noch jünger sind, wirkt sich das jedoch sehr schnell negativ auf Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz aus. Inzwischen lernt sie Deutsch zum Glück auch in der Schule. Dort hat sie einen Lehrer, der ihr einen gesonderten Lehrplan erstellt, sodass ihr Deutsch jetzt ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau ist.

Bist du noch häufig in Deutschland?

Ja, ich bin jedes Jahr ein paar Mal für mehrere Wochen dort. Das ist das Schöne daran, dass ich so viele deutsche Kunden habe: Auf diese Weise kann ich die Geschäftsreisen mit meinem privaten Urlaub verbinden. Meistens machen wir es dann so, dass Alicia mit nach Europa kommt und ihre Sommerferien bei den Großeltern verbringt, während ich teilweise durch Deutschland reise und meine Kunden besuche.

Wie wichtig sind dir die deutschen Feste und Traditionen?

Die sind mir sehr wichtig. Wenn es sich mit Alicias Schule vereinbaren lässt, versuche ich zum Beispiel zur Osterzeit in Deutschland zu sein. Auch zur Vorweihnachtzeit bin ich sehr gerne dort und mache dann immer noch einen Abstecher auf den Christkindlesmarkt in Nürnberg oder Augsburg. Aber auch, wenn wir es zu den verschiedenen Festen nicht nach Deutschland schaffen, schaue ich, dass wir dann bei uns Daheim feiern. Auf diese Weise bin ich auch auf CityKinder aufmerksam geworden: Nikolausfeier, Fasching und Laternenumzug – das sind alles deutsche Bräuche, die ich sehr gerne feiere und die natürlich noch mehr Spaß machen, wenn man sie gemeinsam mit anderen feiern kann. Es ist schon schön auch in New York damit noch ein Stück Heimat gefunden zu haben.

Welchen Tipp hast du für Deutsche, die neu nach New York kommen und sich selbstständig machen wollen?

Da habe ich gleich mehrere Tipps.

Erstens: Eine entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche Selbstständigkeit sind Flexibilität und Risikobereitschaft – denn oft kommt es anders als erwartet. Leistungsbereitschaft ist ebenso wichtig: Gerade am Anfang muss man alles selber machen, auch so banale Dinge wie die Flugplanung oder die Verlängerung der Krankenversicherung, die früher andere für einen erledigt haben. Zudem wird Service in den USA groß geschrieben. Wer diese Dienstleistungsmentalität nicht hat und nicht bereit ist, den erwarteten Service zu leisten, wird es sehr schwer haben.

Zweitens: Suche dir eine Nische und ein klares Alleinstellungsmerkmal. Meine USPs sind beispielsweise die deutsche und amerikanische Ausbildung und das kombinierte Wissen zu den USA und Deutschland – und zwar nicht nur in Bezug auf den Aktienmarkt oder andere Finanzanlagen, sondern auch zu Steuern. Mir hilft es sehr, dass in meinem Bereich die Anlagementalität der Deutschen oft stark von derjenigen der Amerikaner abweicht und die deutschen Kunden gerne von jemandem beraten werden, der ihre Anlagementalität versteht und nachvollziehen kann.

Drittens: Kenne deine Stärken und Schwächen. Die Stärken solltest du weiter ausbauen, für die Schwächen solltest du dir jemanden suchen, der diese mitbringt und deine Fähigkeiten und Expertise komplettiert. Dazu aber noch der Tipp: Gründe eine Firma am besten nur mit jemandem, den du sehr gut kennst. Denn wenn es um wichtige Entscheidungen geht, ist es deutlich einfacher, wenn du den anderen verstehst und einschätzen kannst.

Liebe Karin, vielen Dank für das Gespräch!

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