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CityPortraits Blog

Curious who else is living in NYC? We are, too! We feature moms and dads from all walks of life with interesting stories, businesses, and family constellations. See who’s in town, what they love about NYC, and why they stay.

Petrina Engelke | Autorin

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Mit 41 Jahren hat sich die Journalistin Petrina Engelke getraut, was die meisten nur zu träumen wagen: Sie hat ihre Koffer gepackt, ihrer Heimat im Ruhrgebiet den Rücken gekehrt und ist nach New York gezogen. Einen konkreten Plan hatte sie damals nicht, aber ein Ziel: Schreibend Geschichten erzählen aus der Stadt, die niemals schläft und in der hinter jeder Straßenecke Spannendes, Kurioses und Erstaunliches wartet, von dem die Welt erfahren sollte.

Neben ihrer Tätigkeit als freie Journalistin ist Petrina begeisterte Bloggerin. Worum es in ihrem Blog geht? Natürlich um New York. Und genau darum geht es auch in ihrem Buch „Fettnäpfchenführer New York“, das diesen Oktober im Conbook-Verlag erscheint. Ein typischer Reiseführer ist das Buch aber nicht, wie uns Petrina im Gespräch erzählt hat. Was sie uns außerdem verraten hat? Von wo man den besten Ausblick auf New Yorks Skyline hat, wohin sie flieht, wenn ihr die Hektik in Manhattan zu viel wird, und warum es in New York manchmal einen großen Unterschied machen kann, auf welcher Straßenseite man wohnt.

Liebe Petrina, du hast einen „New York“-Reiseführer geschrieben für alle, die schon einen Reiseführer haben. Was unterscheidet dein Buch von den anderen?

Ich erzähle Geschichten aus New York und nähere mich damit der Stadt. Da begegnest du beim Lesen zum Beispiel einer Gruppe Strick-Omas, seltsam selektiven Kassenbon-Kontrolleuren im Baumarkt oder klitschnassen Surfern in der U-Bahn. Mit diesen Menschen geht es auf eine Entdeckungsreise, die mit vielen konkreten Tipps zum Selbererleben endet. Mal ganz direkt – zum Beispiel mit Surfkurs am Strand in Rockaway –, mal indirekt, zum Beispiel auf einem Markt mit Handgemachtem oder im Besucherzentrum des African Burial Ground.

In den allermeisten Fällen ist es ja so, dass der Autor auf einen Verlag zugeht, wenn er ein Buch veröffentlichen möchte. Bei dir war es anders. Erzähl mal!

Ja, das war in der Tat ungewöhnlich! Dahinter steckt sozusagen ein positiver Bumerang-Effekt: Höflichkeit und Freundlichkeit haben mir einen Buchvertrag eingebracht. Aber zuerst einmal war ich genervt. Wie viele andere Bloggerinnen bekomme ich oft Anfragen für Product Placement und ähnliche Werbung, die überhaupt nichts mit dem Thema von „Moment: New York“ zu tun haben. Ich mache ohnehin keine Werbung auf dem Blog. Wenn aber so eine E-Mail doch mal den Eindruck erweckt, dass da jemand genauer hingeschaut hat, ist mein Anspruch an mich selbst, zumindest eine freundliche Absage zu schreiben. Und über einen solchen Kontakt hatte mich eine Agenturmitarbeiterin im Kopf behalten. Sie gab viel später in einem Gespräch über New York dem Conbook Verlag den Tipp, doch mal meinen Blog anzuschauen. Plötzlich trudelte keine Werbeanfrage bei mir ein, sondern eine E-Mail von einer Lektorin!

Deinen Blog hast du schon 2008 gestartet. Was war die ursprüngliche Idee dahinter? Und was erwartet die Leser heute?

Im Jahr 2008 war ich für mehrere Monate in New York. Neben diversen anderen Dingen wollte ich ein kontinuierliches Schreibprojekt durchziehen, das ein Experiment für mich als Autorin sein sollte: Jeden Tag wollte ich einen Moment innehalten und beobachten und darüber schreiben – daher kommt auch der Name des Blogs. Für dieses „Momentaufnahmen“-Experiment schaute ich mich zu ganz bestimmten Zeiten um, ob ich einen Ansatz für eine Geschichte finde, egal wo in New York ich gerade war. Das hat geklappt – und nicht nur mich inspiriert, sondern auch meine ersten Blogleser. Dadurch wurde ich angespornt, immer bessere Geschichten zu finden. Heute gibt entsprechend nicht mehr die Uhr den Takt vor, aber es geht es immer noch um Geschichten aus der irrsten Stadt der Welt, die dich inspirieren können, egal wo du lebst. Das kann ein Stück U-Bahn-Kunst sein, ein Interview mit einer Obdachlosen oder die Frage, wie man in New York und anderswo mit einer roten Ampel umspringt.

Hauptberuflich bist du als Journalistin tätig. Worüber schreibst du und wie findest du deine Themen – oder liegen die in New York tatsächlich auf der Straße?

Ich habe nirgends so viele Geschichten gefunden wie in New York, deshalb bin ich hierhergezogen. Ich schreibe hauptsächlich über Menschen und Ideen. Als Journalistin habe ich mich deshalb auf Interviews und Porträts spezialisiert. Zum Beispiel war ich hier mit der Aktivistin Mary Jordan auf einem Wasserturm, habe mich in der geheimniskrämerischen Diamantbörse umgesehen oder mit Instagram-Star und Stilikone Nick Wooster über Berufserfahrung gesprochen. Meine Themen finde ich zum einen bei Streifzügen durch New York – ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, immer wieder einfach loszuziehen! –, zum anderen beim Lesen, sowohl auf Papier als auch in sozialen Netzwerken.

Bevor du 2010 endgültig nach New York gezogen bist, warst du immer wieder für kürzere Zeit hier, mal beruflich, mal rein privat. Wann war für dich klar, dass du dauerhaft hier leben möchtest. Gab es da ein „Aha“-Erlebnis?

Erst dachte ich, Pendeln wäre ideal für mich. Aber das hat sich als ganz schön unbequem herausgestellt. Dann fragte mich bei einem meiner Aufenthalte in New York jemand, wieso ich denn überhaupt immer wieder zurück nach Deutschland führe, ich solle doch endlich in New York bleiben. Auf meine Rückfrage, wovon ich denn dann leben solle, kam die Antwort: „Ist doch egal, schreib einfach den nächsten großen amerikanischen Roman.“ Ich habe gelacht. Aber die Frage hat mich noch Stunden später gewurmt, und dann habe ich sie mir mal selbst gestellt: Wieso ziehe ich eigentlich nicht nach New York? Und wenn ich es nicht wenigstens mal ausprobiere, wie würde ich darüber wohl in fünf Jahren denken? Die Gegenargumente überzeugten mich nicht, und noch am selben Abend traf ich eine Entscheidung.

Du wohnst im Süden von East Harlem, an der Grenze zur Upper East Side. Während East Harlem einer der ärmsten Stadtteile Manhattans ist, gilt die Upper East Side mit der Park Avenue als Inbegriff von Reichtum und Luxus. Wie verändert sich das Straßenbild, wenn man die East 96th Street überquert? Ist da tatsächlich eine Art Grenze spür- beziehungsweise sichtbar?

Sichtbar ist die Grenze meiner Meinung nach nicht in dieser Schärfe. Deshalb war ich auch sehr verwundert, als ich Bekannten, die nur zwei Blocks südlich von dieser Grenze leben, für ein Treffen eine Bar auf der 97th Street vorschlug – und sie kannten die nicht, weil sie „in diese Richtung nie gehen“. Einzelfall, dachte ich. Aber dann erzählte mir ein Ladenbesitzer auf der 96th Street, dass er ja zu East Harlem gehöre, im Gegensatz zu der Konkurrenz auf der Südseite der Straße. Da wird New York auf einmal zu einer Ansammlung von Dörfern!

Welche Tipps hast du für erfahrene „New York“-Touristen, die Empire State Building und Co. schon bei ihren vorherigen Besuchen abgeklappert haben?

Das hängt immer von den jeweiligen Vorlieben ab. So ganz allgemein hätte ich zwei Tipps: Erstens würde ich Manhattan verlassen, denn die Insel sieht man erst so richtig von außen, zum Beispiel bei einer Fahrt mit der East River Ferry. Aber festhalten, die Kapitäne geben ordentlich Gas! Zweitens: Ich weiß, es gibt irre viel zu sehen in New York und die Laufzettel sind lang, aber wenigstens einmal sollte man sich treiben lassen und wenigstens für ein Stündchen ziellos durch die Straßen laufen, die Stimmung aufnehmen und Details wahrnehmen. Wie es riecht, ob die Gullideckel alle gleich aussehen, was die Menschen dort essen. Die Chance, dabei erinnerungswürdige Dinge zu finden, ist viel höher als mit Bildern von Sehenswürdigkeiten, die alle anderen auch mit nach Hause bringen.

Von welchem Ort hat man den schönsten Blick auf die Skyline?

Das kommt darauf an. Ich mag den Gantry Plaza State Park in Queens oder den schrägen Wolkenkratzerblick über die Grab-Engel auf dem Friedhof Green-Wood in Brooklyn. Sehr schön ist auch, wie sich der Sonnenuntergang in den Fassaden Manhattans spiegelt. Das kann man toll von Hoboken oder Jersey City aus beobachten.

Wo fährst du hin, wenn dir der Krach und die Hektik Manhattans doch einmal zu viel werden? Hast du ein paar Tipps für schöne Kurztrips?

Ich schaukle gern in einer der Hängematten auf Governors Island. Die autofreie Insel ist nur wenige Minuten mit der Fähre von Manhattan entfernt. Für einen längeren Ausflug (mit einer Übernachtung) mag ich am liebsten Greenport, das liegt etwa zwei bis drei Stunden von New York entfernt auf der North Fork von Long Island. Da gibt es tolle kleine Lädchen und Restaurants, viele Boote, alte Holzhäuser und drumherum sowohl wunderschöne Naturschutzgebiete und Strände als auch Weingüter, die eine Weinprobe anbieten.

Worauf freust du dich in den nächsten Wochen am meisten?

Ich bin so gespannt darauf, mein Buch nach dem Druck in der Hand zu halten! Und dann freue ich mich auf den magischen Moment, wenn die ersten Schneeflocken fallen.

Liebe Petrina, vielen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg mit deinem Buch!

 

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