Welcome to our Blog

CityPortraits Blog

Curious who else is living in NYC? We are, too! We feature moms and dads from all walks of life with interesting stories, businesses, and family constellations. See who’s in town, what they love about NYC, and why they stay.

Stephanie Heintzeler – Doula

Stephanie Heintzeler ist 2003 mit zwei Koffern nach New York gezogen. In Deutschland hatte sie zuvor als Hebamme gearbeitet, ein Beruf, der in Amerika ein vollkommen anderes Profil hat als in Deutschland und den Stephanie so nicht in den USA ausüben wollte. Deshalb hat sie eine Ausbildung zur Doula gemacht, einer Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbegleiterin, die vor allem in den USA gerne als zusätzliche Ansprechperson neben Arzt oder Hebamme hinzugezogen wird.

In New York seit: 2003
Beruf(ung): Doula
Mein Business: The New York Doula & The Doula Concierge
Website: http://www.thenewyorkdoula.com
Schwangerschaft-Ratgeber (zusammen mit weiteren CityKinder-Autorinnen): „Schwanger in Amerika“
Info-Veranstaltung (gemeinsam mit Gabi Hegan): „Schwanger in New York“ (das nächste Mal wieder am 12. Juni 2017)

Liebe Stephanie, was hat dich nach New York geführt?

Meine Eltern sind zwar deutsch, ich bin aber in New York geboren und hatte daher immer einen besonderen Bezug zu der Stadt. Mit 20 bin ich dann das erste Mal wieder in New York gewesen und war so begeistert, dass ich 2003 meine Koffer gepackt habe und hergezogen bin.

In Frankfurt hattest du bereits eine Ausbildung zur Hebamme absolviert und mehrere Jahre als Hebamme gearbeitet – ein Beruf, der dir sehr viel Spaß gemacht hat. Warum hast du nicht in diesem Beruf weitergearbeitet?

Zum einen hätte ich noch einmal eine mehrjährige Ausbildung in den USA absolvieren müssen. Zum anderen, und das war der ausschlaggebende Punkt, unterscheidet sich der Beruf der Hebamme in den USA stark von demjenigen in Deutschland. In den USA machen Hebammen zum Beispiel weder Hausbesuche, noch Nachsorge – es sei denn, man ist Hausgeburtshebamme. Wenn man das nicht ist, kann man nur in der Klinik tätig sein und ist dann sehr stark an die Ärzte gebunden. In Deutschland hingegen hat die Hebamme deutlich mehr Freiraum und Verantwortung. So kann sie etwa Entbindungen in der Klinik durchführen, Hausbesuche und Kurse machen und muss rechtlich anwesend sein, um das Kind zu empfangen. Der Arzt hat eine Hinzuziehungspflicht, d.h. er darf keine Geburt ohne Hebamme machen. Die Hebamme allerdings muss keinen Arzt hinzuziehen.

Du hast dich dann zur Doula ausbilden lassen. Erzähl mal: Was macht eine Doula genau – und warum werden Doulas in den USA häufig für Schwangerschaft und Geburt herangezogen, während diese Berufsgruppe im deutschsprachigen Raum vergleichsweise unbekannt ist?

Die Doula macht eine Rundumbetreuung: Sie gibt Ratschläge zu Schwangerschaft und Entbindung, vermittelt die Kundin zum richtigen Arzt, unterstützt die Mutter während der Geburt und ist für die Nachbetreuung im Anschluss an die Geburt zuständig. Zudem gibt sie Stilltipps, wenn es am Anfang noch nicht so recht klappen sollte. Der Grund, aus dem Doulas in den USA sehr viel häufiger gebucht werden, liegt auf der Hand: Die Geburtshilfe ist hier einfach nicht so gut wie in Deutschland. Hier ist es normal, dass die Frauen nach der Geburt heimgeschickt werden und danach keine Betreuung stattfindet. Sechs Wochen nach der Geburt geht die Mutter nochmal zum Gynäkologen, aber ansonsten ist da keiner, der mal nach der Mutter schaut, der prüft, ob alles mit der Brust in Ordnung ist und die Heilung gut verläuft oder der Mutter zeigt, wie man stillt und das Kind richtig hält. Eine Doula, die mit all dem Erfahrung hat und sich Zeit nimmt, ist da Gold wert. Die Doula ist sozusagen eine nicht-medizinische Hebamme.

Gibt es konkrete Zahlen, an denen sich die positiven Effekte einer Doula-Betreuung zeigen?

Ja, die gibt es. Und sie machen sehr deutlich, wie wichtig eine Doula-Betreuung in den USA ist, da es Mutter und Kind damit statistisch gesehen deutlich besser geht: Die Kaiserschnittrate senkt sich mit Doula-Betreuung um 40 Prozent, die Geburt geht 25 Prozent schneller, 60 Prozent weniger Frauen möchten eine PDA, es gibt 40 Prozent weniger vaginal-operative Entbindungen (etwa mit Saugglocke), die Babys haben einen besseren Apgar, die Depressionsrate nach der Geburt senkt sich um 50 Prozent, das Stillen klappt doppelt so häufig.

Wie ging es für dich weiter, nachdem du die Ausbildung zur Doula gemacht hast?

Nach meiner Ausbildung habe ich mich 2006 mit meinem Rundumpaket als Doula auf deutsch und englisch selbstständig gemacht. Von 2009 bis 2012 war ich dann noch einmal drei Jahre freiberuflich als Hebamme in München tätig, zunächst in einer Privatpraxis, anschließend in einer Privatklinik. Meinen Wohnsitz in New York hatte ich allerdings nicht aufgegeben. Jedes Jahr war ich mehrere Monate hier und habe weiterhin Kundinnen betreut. Als mir das Hin und Her schließlich zu anstrengend wurde, bin ich wieder ganz nach New York zurückgegangen.

Neben deiner eigenen Tätigkeit als Doula hast du außerdem den Doula Concierge gegründet. Was hat es damit auf sich?

2013 war ich so ausgebucht, dass ich nicht mehr alle Anfragen selbst übernehmen konnte. Deshalb habe ich den Doula Concierge gegründet – eine Agentur mit inzwischen acht Doulas, die ich an werdende Eltern vermittle. Das Schöne daran: Die Eltern können die Doula auswählen, die ihren Vorstellungen am besten entspricht, etwa was ihren Standort, die Erfahrung oder den Preis betrifft. Ich selbst nehme etwa fünf Geburten pro Monat an und betreue rund 30 Frauen zur gleichen Zeit.

Als Doula betreust du werdende Mütter aus den vielen verschiedenen Ländern, unter anderem natürlich aus dem deutschsprachigen Raum und aus den USA. Gibt es hier kulturelle Unterschiede in Bezug auf die Schwangerschaft?

Die amerikanischen Mütter brauchen oft deutlich mehr Unterstützung, weil sie deutlich erschöpfter sind. Das liegt allerdings weniger an den Müttern selbst, als vielmehr an den Rahmenbedingungen: Amerikanerinnen müssen oft bis zum Geburtstermin arbeiten. Die deutschsprachigen Mütter hingegen arbeiten hier meist gar nicht oder befinden sich in Mutterschutz. Entsprechend können sie sich natürlich viel besser auf die Veränderung einstellen und sich und ihrem Körper die erforderliche Aufmerksamkeit schenken. Ein weiterer Unterschied ist, dass deutsche Eltern eher mir vertrauen und die Amerikaner eher dem Arzt. Die Amerikaner wollen meist zuerst den Herrn Doktor sprechen, die Deutschen rufen in der Regel zuerst mich an.

Wie sieht es mit Unterschieden bei der Geburt aus?

Da fällt mir immer wieder auf, dass Amerikanerinnen tendenziell einen weniger guten Bezug zu ihrem Körper haben. Zwar wünschen sich viele von ihnen eine natürliche Geburt und keinerlei Eingriffe. Aber kaum haben sie fünf Wehen, kommen sie überhaupt nicht mehr klar, weil sie es einfach nicht gewöhnt sind, mal was auszuhalten, den Schmerz wegzuatmen oder eine andere Position zu finden. Ich finde das zwar schade, aber wenig verwunderlich. Denn in der Kultur ist es fest verankert, dass sofort Schmerzmittel genommen werden, sobald etwas zwickt, aber nicht an der Ursache gearbeitet wird. Bei den deutschsprachigen Müttern ist das Bewusstsein hingegen eher dafür da, dass eine Geburt etwas ganz natürliches ist und man erstmal abwartet, wie es läuft, bevor man eine PDA verlangt. Und wenn sie sich eine natürliche Geburt wünschen, dann klappt das in der Regel auch.

Gibt es Tradition, die dir an anderen Kulturen mit Blick auf das Kinderkriegen besonders gut gefällt?

Ich betreue auch hin und wieder Asiaten. Und da fällt mir immer wieder auf, dass die werdenden Eltern ganz viel familiäre Unterstützung bekommen – auch wenn die Verwandten von sehr weit her kommen. Zudem dürfen die frischgebackenen Mütter traditionell die ersten vier Wochen nicht aus dem Haus. Sie sollen viel liegen, viel Warmes essen und sich entspannen. Für Postpartum ist das sicherlich die beste Kultur.

Was rätst du Frauen, die große Angst vor der Geburt haben und davor, dass etwas schief laufen könnte?

Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass einem die Angst vor der Geburt auch ein wenig von der Gesellschaft eingeredet wird. Heute sagt man nicht mehr: „Ich bin guter Hoffnung!“, sondern: „Ich gehe jetzt zur Vorsorge.“ Da wird so ein Druck aufgebaut, dass die Testergebnisse auch ja stimmen und alles im Rahmen ist. Natürlich ist das wichtig, aber: Seit Beginn der Menschheit gibt es die Geburt. Sie ist etwas ganz natürliches und in den meisten Fällen würde sie gut gehen, auch wenn keiner dabei wäre und man das Kind ganz für sich gebären würde. Immer mal wieder hört man ja davon, dass Frauen ihre Kinder unterwegs bekommen. Letztes Jahr zum Beispiel hat eine Frau ihr Kind (das vierte) mitten auf einer Straßenkreuzung in New York bekommen – und danach hat man ein Bild von einer glücklichen Mutter mit einem gesunden Kind gesehen.

Welche Unterschiede fallen dir in der Betreuung von Erst- und Zweitgebärenden auf?

Wenn eine Frau zum ersten Mal Mutter wird, ist sie in vielen Dingen noch sehr verunsichert und stellt viele Fragen, insbesondere zum Ablauf der Geburt. Bekommt eine Mutter ihr zweites Kind, „vergisst“ sie hingegen oft, dass sie schwanger ist, weil sie so mit ihrem anderen Kind beschäftigt ist. Da mache ich dann von mir aus sehr viel mehr Check-ins, einfach um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Bei der Geburt des zweiten Kindes ist außerdem der Fokus meiner Betreuung ein ganz anderer. Dabei stehen organisatorische Dinge oft im Vordergrund, vor allem natürlich die Frage, wer sich während der Geburt um das andere Kind kümmert. Finden wir so schnell keine Betreuung, kann es auch schon mal vorkommen, dass wir das Kind kurzerhand ins Krankenhaus mitnehmen. Zudem helfe ich der Mutter, die richtigen Worte und den richtigen Zeitpunkt zu finden, wenn es darum geht, ihrem Kind zu erzählen, dass es ein Geschwisterchen bekommt.

Und wie unterscheiden sich die Geburten von Erst- und Zweitgebärenden?

Die zweite Geburt kann wesentlich schneller ablaufen als die erste. Bei der ersten Geburt rufen mich die Mütter meist schon nach den ersten Wehen an, weil sie das Gefühl haben, dass es langsam losgeht. Oft reicht es dann, wenn ich zehn bis zwölf Stunden später da bin, denn bis zur tatsächlichen Geburt dauert es ab der ersten Wehen meist noch bis zu 15 Stunden. Beim zweiten Kind hingegen kann es sehr viel schneller gehen, meist dauert das Ganze nur etwa sechs Stunden. Daher ist es bei der zweiten Schwangerschaft umso wichtiger, dass die Frauen mir rechtzeitig Bescheid geben. Zudem müssen sie nicht erst ein langes Bad nehmen oder ähnliches, sondern sollten die ersten Anzeichen ernst nehmen.

Du hast schon viele Mütter mit Zwillingen betreut. Welche Besonderheiten gibt es bei Zwillingsschwangerschaften?

Grundsätzlich muss man bei Zwillingsschwangerschaften mit allem rechnen. Es treten häufiger Frühwehen ein, es gibt eine Tendenz zur Frühgeburt und es kommt wesentlich häufiger zum Kaiserschnitt. Aber nicht nur Schwangerschaft und Geburt sind bei Zwillingen häufig problematischer, auch nach der Geburt braucht die Mutter häufig viel mehr Unterstützung, so etwa beim Stillen, dass häufig erstmal nicht so gut klappt.

Manche Mütter entscheiden sich schon während der Schwangerschaft ganz bewusst für einen Kaiserschnitt. Ist eine Doula in solchen Fällen sinnvoll?

Viele Mütter, die eine Kaiserschnittgeburt machen wollen, buchen keine Doula. Denn natürlich fällt das Geburtscoaching weg. Ich denke aber dennoch, dass eine Doula sehr sinnvoll ist, schließlich handelt es sich ja immer noch um eine Geburt. Und die kann man nicht ins Detail planen. So kann es etwa passieren, dass die Mutter für die kommende Woche einen Termin zum Kaiserschnitt hat, dann aber morgens um drei die Fruchtblase platzt, und sie schon jetzt ins Krankenhaus muss. In solchen Fällen ist es gut zu wissen, dass die Doula Rufbereitschaft hat und an Ort und Stelle ist, wenn es darauf ankommt. Wer sich absolut sicher ist, dass er die Doula bei der Geburt nicht braucht, kann außerdem vereinbaren, dass sie zwar bei der Geburt nicht anwesend sein wird, aber im Anschluss mehr Hausbesuche macht.

Was liebst du an deinem Beruf besonders?

Das Schöne an der Arbeit als Doula ist, dass ich jede Frau persönlich kenne und eine lange Zeit begleite, sodass eine enge Bindung entsteht und ich weiß, wie sie sich die Geburt vorstellt. Als Doula kann ich dafür sorgen, dass der Geburtsplan so durchgesetzt wird, wie es die Mutter will. Ich bin sozusagen eine Fürsprecherin für die Mutter, die ihre Interessen gegenüber dem Arzt vertritt. Man sieht das unter anderem daran, dass bei Geburten mit Doula die Kaiserschnittrate in den USA 40 Prozent niedriger ist. Dadurch ist eine ganz andere Vertrauensbasis gegeben, als es etwa bei einer Hebamme in Deutschland der Fall ist. Zudem liebe ich es, die Verantwortung für ein so einzigartiges Erlebnis zu tragen, das die Frauen ein Leben lang begleiten wird. Denn eines darf man nicht vergessen: Auch wenn eine Geburt mit Sorgen, Ungewissheit und Schmerzen verbunden sein kann, so sind die allermeisten Frauen schon direkt nach der Geburt überglücklich, dass sie eine so einzigartige und wundervolle Erfahrung machen durften.

Liebe Stephanie, vielen Dank für das ausführliche Gespräch!

Du bist schwanger oder planst, schwanger zu werden, und möchtest mehr zu den Themen Schwangerschaft und Geburt in den USA erfahren? Dann ist unser eBook-Guide „Schwanger in Amerika“ genau das Richtige für dich! Darin erfährst du alles, was du für eine entspannte Schwangerschaft und Geburt. Alle Infos zu dem eBook erhältst du hier.

Oder bist du an einer Info-Veranstaltung vor Ort interessiert? Dann komme gerne zu unserem nächsten Seminar „Schwanger in New York“! Tickets und Infos gibt es hier.

Merken

0 Comments

Leave us a comment!

array(0) { }
top