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Sylvia Wellhöfer und Nina Zieling – Gründerinnen des German Enrichment Program an der P.S. 18 in Brooklyn


Ihre Zeit im Mutterschutz wollte Sylvia Wellhöfer sinnvoll nutzen und sich gemeinnützig engagieren. Deshalb gründete sie das German Language Program, eine Eltern-Initiative mit dem Ziel, kostenlosen bilingualen Sprachunterricht an öffentlichen Schulen in New York anzubieten. Motiviert durch die Erfolge der französischen Organisationen, die bereits viele Schulen in New York mit ihrer Sprache bereichert haben, startete sie ihr Projekt gemeinsam mit anderen engagierten Eltern im Sommer 2015. Das wichtigste Etappen-Ziel ist jetzt erreicht: Ab September 2017 startet das erste „German Enrichment Program“ an der Grundschule P.S. 18 in Brooklyn. Für Sylvia genau der richtige Zeitpunkt, um die Leitung der Initiative an Nina Zieling abzugeben. Sie ist ebenfalls Mutter und weiß, was es bedeutet mehrere Sprachen fließend zu sprechen: Sie selbst ist trilingual mit Deutsch, Englisch und Spanisch. Im Interview erzählen Nina und Sylvia, was es mit dem „German Enrichment Program“ auf sich hat, für wen es geeignet ist und wie man sich anmelden kann.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Sprach-Programm für Deutsche beziehungsweise Deutschlernende zu initiieren?

Sprach-Programme sind in New York weit verbreitet. Neben zahlreichen spanischen Programmen gibt es zum Beispiel auch Programme für Russisch, Japanisch, Französisch, Mandarin und Polnisch. Ein deutsches Programm gab es bislang allerdings noch nicht. Das wollten wir aus zwei Gründen ändern: Zum einen haben wir selbst kleine Kinder und zum anderen war es uns eine Herzensangelegenheit, dass die akademischen Programme an den öffentlichen Schulen an Attraktivität gewinnen. Dies geschieht in New York jedoch nur, wenn sich Eltern organisieren, unentgeltlich engagieren und mit den Behörden kooperieren. Wir sind überzeugt, dass Mehrsprachlichkeit ein Geschenk ist und wir sind zuversichtlich, dass ein ausgeprägtes interkulturelles Verständnis allen teilnehmenden Kindern mehr Möglichkeiten im Leben eröffnet. Unsere französischen Freunde nennen dies die „Bilingual Revolution“. Deshalb haben wir im Sommer 2015 angefangen, die Idee zu streuen. Dabei hat sich schnell herausgestellt, dass ein großes Interesse an einem solchen Programm besteht – insbesondere in Brooklyn, wo viele junge deutsche Familien mit kleinen Kindern wohnen und es schon deutsche Schulen und Kindertagesstätten gibt.

Letztlich habt ihr euch die P.S. 18 in Williamsburg. Wie kam es dazu?

Neben der Nachfrage in den einzelnen Schuldistrikten kam es natürlich vor allem darauf an, eine Schule zu finden, die uns beherbergen kann. Dabei waren drei Hauptkriterien ausschlaggebend: Die Schule musste ein Einzugsgebiet haben, in dem ausreichend English Language Learners wohnen, sie musste genügend freie Kapazitäten haben, um einen weiteren Klassenstrang beherbergen zu können, und die Leitung der Schule musste hinter der Idee des Programms stehen. Während unserer Suche, hat unser „School Search Team“ rund 80 Schulen in Brooklyn besucht beziehungsweise analysiert. Am Ende hatten wir mit Alicja Winnicki, der Leiterin des Distrikt 14, die größte Unterstützerin für unser Projekt gefunden. Leider sind die Prozesse sehr kompliziert, weshalb sich die Schulsuche viel länger hingezogen hat, als wir zu Beginn vermutet haben. Mit der P.S. 18 in Williamsburg haben wir nun glücklicherweise eine Schule mit idealen Voraussetzungen gefunden. Alison Alexander, die Schuldirektorin, ist für uns ein kompetenter und enthusiastischer Partner und wir freuen uns auf den Programmstart im September.

Hat die P.S. 18 bereits Verbindungen zur deutschen Kultur und Sprache?

Bevor wir unsere Initiative gestartet haben, hatte die Schule noch keinen Bezug zur deutschen Sprache und Kultur. Williamsburg war ursprünglich ein dominikanisches Viertel und obwohl sich Williamsburg in den letzten zehn bis 15 Jahren sehr stark gewandelt hat und mittlerweile sehr europäisch geprägt ist, sind die Kinder auf der P.S. 18 noch vorwiegend Hispanics. Mit unserem Programm wollen wir mehr „Diversity“ in die Schule bringen und uns integrieren. Das ist auch ein wesentlicher Grund, aus dem die Schuldirektion sofort hinter unserer Idee stand.

Eure Website heißt www.glp-brooklyn.com. „GLP“ steht dabei für „German Language Program“. Was hat es mit diesem Begriff auf sich?

„German Language Program“ ist ein Überbegriff, den wir als Eltern-Initiative gewählt haben, weil er alle Formen des Sprachunterrichts an Schulen abdeckt. Im Verlauf der Zeit haben wir gelernt, dass es verschiedene Unterrichtsformen gibt und die Begriffe unterschiedlich belegt sind. Ursprünglich wollten wir das erste kostenlose „German Dual Language Program“ an einer öffentlichen Schule in Brooklyn gründen. Nun fangen wir mit einem „German Enrichment Program“ an. Zwischen beiden Unterrichtsformen gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber auch und zentrale Unterschiede.

Könnt Ihr diese Unterschiede erläutern?

In New York City ist ein „Dual Language Program“ klar definiert: Die Schulklasse besteht zu 50 Prozent aus Muttersprachlern und zu 50 Prozent aus sogenannten „English Language Learners“ (ELLs). Dies sind Kinder, deren Familiensprache nicht Englisch ist und die bei Schulbeginn kein Englisch sprechen. Diese beiden Gruppen von Kindern sollen dann voneinander und miteinander lernen. Kerngedanke ist dabei, dass das Lernen weit über den Erwerb der jeweils anderen Sprache hinausgeht. Auch die andere Kultur mit all ihren Facetten soll dabei miteinbezogen werden: Welche Feiertage und Traditionen gibt es in der anderen Kultur? Wie werden bestimmte Feste gefeiert? Wie hat die Geschichte der anderen Kultur das heutige Leben in dem Land geprägt? Und so weiter. Im Vordergrund steht also nicht nur, dass die eigene Kultur und Sprache beibehalten wird, sondern dass man auch andere daran teilhaben lässt. So können sich die Kinder, die an den Programmen teilnehmen, in beiden Kulturen und Sprachen wohl und zuhause fühlen.

Bei einem „Enrichment Program“ verfolgt man dieselben Ziele, aber die Klasse muss keine ELLs haben und auch das Curriculum ist nicht klar definiert. Wir werden an der P.S. 18 deutsche Inhalte in den Vormittags- und Nachmittagsunterricht integrieren. Neben dem deutschen Sprach- und Kulturunterricht sind alle Kinder in ein spanisches Dual Language Programm eingeschrieben. Unser Ziel ist es, über die Jahre das deutsche Programm sukzessive auszubauen bis es ein richtiges „German Dual Language Program“ gibt.

Warum habt ihr euch für die Kombination Englisch, Deutsch und Spanisch entschieden?

Die P.S. 18 hat bereits ein etabliertes Spanisches Dual Language Program. Da unser Enrichment Program zum ersten Mal in diesem September startet und wir nicht ausreichende ELLs rekrutieren konnten, entwickelten wir die Idee der „eierlegenden Wollmilchsau“. Alle Kinder kommen nun in den Genuss, einer bilingualen Ausbildung im offiziellen DLP-Rahmen und gleichzeitig können wir die deutschen Inhalte kontinuierlich stärken. Geplant ist, in ein paar Jahren zwei Dual Language Programme parallel laufen zu lassen, die dann durch die jeweils andere Sprache ergänzt werden. Spanisch, Englisch und Deutsch sind für uns eine optimale Kombination für ein Leben in New York.

Was sind die nächsten Schritte?

Mit dem „German Enrichment Program“ werden wir frisch ab Klasse K starten. Aber auch die darüber liegenden Klassen sollen von unserem Programm profitieren. Es geht uns im kommenden Jahr primär darum, die künftige Klassen- und Schulstruktur zu ändern, damit wir die Grundlage für das „German Dual Language Programm“ legen. Sobald dieses Programm startet, müssen wir uns darauf konzentrieren, auch in Middle Schools und High Schools bilinguale Klassen zu etablieren. Unser Ziel ist es außerdem, weitere bilinguale Programme in anderen Schulen zu etablieren. Gerade haben sich Eltern in New Jersey City organisiert und wir unterstützen sie mit Rat und Tat. Besonders dankbar sind wir übrigens für die wertvolle Unterstützung seitens des Goethe Instituts. Ohne Andrea Pfeil, die Leiterin der Sprachabteilung, und ihr Team wären alle diese Planungen überhaupt nicht realistisch.

Warum sollten sich Eltern für das „German Enrichment Program“ entscheiden und nicht für eine der bereits etablierten deutschen Privatschulen?

Wir wollen kein Konkurrenzprogramm zu den sehr guten deutschen Privatschulen sein. Vielmehr sehen wir uns als zusätzliches Angebot. Für viele Eltern mag es genau das Richtige sein, ihre Kinder auf eine Privatschule zu schicken. Aber natürlich ist das auch immer eine Frage des Geldes. Im Gegensatz zu den Privatschulen handelt es sich bei der P.S. 18 um eine ganz gewöhnliche Public School, die Kinder in New York kostenlos besuchen können. Zudem können die Kinder auf diese Weise den ganz normalen Schulalltag in Amerika miterleben, ohne dabei vollständig auf ihre Sprache und Kultur verzichten zu müssen. Das sehen wir persönlich als großen Vorteil an. Aber wie gesagt: Letztlich muss jeder selbst entscheiden, welche Kriterien bei der Wahl der Schule eine Rolle spielen – und welches Angebot dementsprechend am geeignetsten erscheint.

Könnt ihr ein wenig zum Unterrichtsmodell erzählen?

Als Public School richtet sich die P.S. 18 nach dem amerikanischen Lehrplan und den sogenannten Common Core State Standards. Entsprechend ist auch unser Programm auf diese Standards ausgerichtet. Was die Unterrichtssprache betrifft, wird es so sein, dass abwechselnd auf Spanisch und auf Englisch unterrichtet wird. Das geschieht fächerübergreifend und beispielsweise im wöchentlichen Turnus. Auf diese Weise wird das bilinguale Gehirn optimal trainiert. Ausgenommen von dem bilingualen Unterricht sind nur die sogenannten Cluster-Fächer wie Kunst, Musik oder Sport. Diese Fächer werden nur auf Englisch unterrichtet. Auch hier werden wir aber stets versuchen, spanische und deutsche Inhalte einzubringen. Eine solche Kombination der drei Sprachen ist neu und im Sommer werden wir uns hinsetzen und die Wochen durchplanen. Die deutschen Inhalte können auch als Projekte, das heißt im Block, unterrichtet werden. Hier haben wir viel Flexibilität, aber wir brauchen auch finanzielle Unterstützung, Freiwillige und Lehrkräfte.

Welche Voraussetzungen müssen die Lehrer mitbringen, die unterrichten?

Da wir eine weitere Klasse haben und das Spanish Dual Language als side-by-side (zwei Klassen) geplant ist, brauchen wir eine neue Lehrkraft. Da die aktuelle Kindergarten-Lehrerin bereits bilingual ist, suchen wir aktuell nach einer Lehrkraft, die bilingual deutsch/englisch ist. Diese Lehrkraft muss von der Stadt New York zertifiziert sein, aber noch nicht unbedingt eine Dual Language Extension mitbringen. Liegt diese noch nicht vor, würde die Schule bei der Finanzierung helfen. Muttersprachler muss die Lehrkraft aber nicht sein. Sollte noch ein Sommersprachkurs in Deutschland erforderlich sein, würde das Goethe-Institut dies unterstützen. Außerdem suchen wir eine Hilfskraft, die beide Sprachen fließend spricht und als sogenannter Para-Professional den Unterricht unterstützen kann. Grundvorraussetzung hierfür ist ein höherer Schulabschluss und eine gültige Arbeitserlaubnis für die USA. Bewerbungen können also gerne an uns gerichtet werden.

Was gefällt euch an der P.S. 18 besonders? Was zeichnet die Schule aus?

Zum einen die Ausstattung – die ist im Vergleich zu deutschen Schulen und auch zu vielen New Yorker Schulen wirklich sehr gut. Außerdem gibt es einen state-of-the-art Computerraum und einen schönen Outdoor-Bereich. Zum anderen gefällt uns, dass es sich bei der P.S. 18 um eine ganz traditionelle und sehr persönliche Gemeinschaftsschule handelt. Hier nehmen die Eltern wirklich aktiv am Schulalltag teil und die Lehrer sind unglaublich engagiert. Zudem liegt der Fokus auf den „klassischen“ Unterrichtsfächern, wie man es auch aus Deutschland kennt.

Wie und bis wann können Eltern ihre Kinder für das spanische Dual Language Program in Kombination mit German Enrichment anmelden? Wie wahrscheinlich ist es, dass ihr Kind angenommen wird – und wann erfahren sie, ob das Programm stattfindet?

Die Registrierung für die Kindergarten-Klasse (Geburtsjahr 2012) ist jetzt offen. Wir haben noch zehn Plätze, first come, first serve. Als Magnet School kann P.S. 18 sofort Schüler aus der ganzen Stadt aufnehmen. Wer einen Termin für eine Schultour und die Registrierung vereinbaren möchte, kann das über die Eltern-Koordinatorin Blanca Ramirez machen (E-Mail: BRamirez@schools.nyc.gov, Telefon: 347-563-5347). Zur Anmeldung müssen der Pass des Kindes, ein Impfnachweis und zwei gültige Nachweise über den Wohnort mitgebracht werden, außerdem muss das Kind selbst dabei sein. Wer sich jetzt für einen der verbleibenden PK-Plätze entscheidet, wird garantiert im kommenden Jahr einen Platz bekommen. Das wurde uns von der Schulbehörde zugesichert. Wir haben noch vier PK-Plätze. Das Programm wird im September starten.

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